Kritische Leistung
Kritische Leistung (Critical Power, CP) ist die höchste Leistung, die theoretisch ohne fortschreitende Ermüdung gehalten werden kann, nahe der Schwelle.
Definition
«Kritische Leistung» (Critical Power, CP) bezeichnet im physiologischen Modell die höchste Leistung, die theoretisch ohne fortschreitende Ermüdung aufrechterhalten werden kann. Sie ist die Asymptote der Leistungs-Dauer-Kurve: Oberhalb der CP ist die verfügbare Arbeit begrenzt und wird durch die Kapazität W’ beschrieben.
P(t) = CP + W' / tIm Trainingsalltag wird der Begriff weniger streng verwendet. Häufig meint «kritische Leistung» einfach die Durchschnittsleistung eines Maximaltests über eine feste Dauer, meist 20 Minuten. In Sportarten mit hohem Energieaufwand wie Schwimmen wird sie an Distanzen statt Zeiten gebunden (Critical Swim Speed).
Warum das zählt
Die kritische Leistung ist ein Modell mit klarer physiologischer Bedeutung: Sie trennt den Bereich, in dem sich ein Stoffwechsel-Gleichgewicht einstellt, von dem, in dem die Ermüdung unaufhaltsam zunimmt. Damit liegt sie nahe an der zweiten ventilatorischen Schwelle oder der maximalen Laktat-Steady-State.
Das Problem ist die Bestimmung. Das Modell braucht mindestens zwei bis drei Maximaltests unterschiedlicher Dauer, in der Praxis reduziert man das aber auf einen einzelnen 20-Minuten-Test und schätzt daraus mit 95 % die FTP. Diese Abkürzung liefert in den seltensten Fällen einen objektiven Wert, weil Pacing, Tagesform, Motivation und die individuelle Ermüdungscharakteristik das Ergebnis stark beeinflussen.
| Methode | Was gemessen wird | Objektivität | Typischer Fehler |
|---|---|---|---|
| Spiroergometrie / Laktatdiagnostik | Ventilatorische bzw. Laktatschwellen direkt | Hoch | ± wenige Watt |
| CP-Modell (2–3 Maximaltests) | Asymptote der Leistungs-Dauer-Kurve | Mittel bis hoch | Abhängig von Testqualität |
| 20-Minuten-Test × 0,95 | Feldschätzung der FTP | Tief | Leicht 5–10 % daneben |
| Geräteschätzung (automatisch) | Algorithmus aus Trainingsdaten | Tief | Unbekannt, nicht individuell |
Kritische Leistung kommt oft dort zum Einsatz, wo in einer Disziplin keine objektive Leistungsdiagnostik verfügbar ist. Als Ersatz für eine Diagnostik ist sie brauchbar, als Ersatz für gemessene Schwellen nicht.
Wie obseed das misst
obseed nutzt die in den Leistungskenndaten hinterlegten Schwellenwerte als Referenz für Zonen, Intensity Factor und Belastungsmodelle. Dieser Wert sollte aus einer metabolischen Diagnostik stammen. Ein Feldtest-Wert kann eingetragen werden, wenn keine Diagnostik vorliegt, sollte aber als Schätzung verstanden werden.
Aus den aufgezeichneten Einheiten lassen sich Bestleistungen über verschiedene Dauern ableiten, die einen Blick auf die Leistungs-Dauer-Kurve erlauben.
Beispiel
Eine Athletin absolviert zwei Maximaltests: 3 Minuten bei 400 W und 12 Minuten bei 320 W. Daraus folgt:
Arbeit 1 = 400 W × 180 s = 72 000 J
Arbeit 2 = 320 W × 720 s = 230 400 J
CP = (230 400 − 72 000) / (720 − 180) = 158 400 / 540 = 293 W
W' = 72 000 − 293 × 180 = 72 000 − 52 740 = 19 260 J ≈ 19,3 kJEin 20-Minuten-Test derselben Athletin ergibt 310 W, also eine geschätzte FTP von 295 W. Die Spiroergometrie zwei Wochen später zeigt die zweite ventilatorische Schwelle jedoch bei 278 W. Beide Feldmethoden überschätzen die physiologische Schwelle um 15 bis 17 W, was in der Zonensteuerung jeden Schwellenblock zu hart macht.
Quellen
- Monod, H., Scherrer, J. (1965). The work capacity of a synergic muscular group. Ergonomics.
- Jones, A. M., Vanhatalo, A., Burnley, M., Morton, R. H., Poole, D. C. (2010). Critical power: implications for determination of VO2max and exercise tolerance. Medicine and Science in Sports and Exercise.
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