FTP
FTP (Functional Threshold Power) ist die maximale Leistung, die eine Athletin oder ein Athlet theoretisch eine Stunde halten kann; geprägt von A. Coggan.
Definition
«FTP» bezeichnet die «Functional Threshold Power», die funktionelle Schwellenleistung: die maximale Leistung, die eine Athletin oder ein Athlet während einer Stunde erbringen kann. Der Begriff wurde vom Sportwissenschaftler Dr. Andrew Coggan und der Firma TrainingPeaks geprägt. Sein Ursprung liegt im Versuch, die leistungsdiagnostisch ermittelte anaerobe Schwelle ohne Spiroergometrie oder Laktatmessung zu definieren.
Warum das zählt
Durch Recherche und Feldtests kreierte Coggan ein Testprotokoll, das bei Radfahrern in verschiedenen Durchläufen Leistungen lieferte, die den im Labor bestimmten Schwellenwerten entsprachen. Die anschliessende Forschung und wiederholte, teils nicht korrekte Übersetzung führten jedoch dazu, dass «FTP» bald mit «anaerober Schwelle» gleichgesetzt wurde. Das ist nicht korrekt.
Die funktionelle Leistung liegt bei gut austrainierten Athletinnen und Athleten zwar nicht selten nahe der anaeroben Schwelle, kann sich aber ebenso gut darüber oder darunter befinden. Der Grund ist einfach: Die FTP ist ein leistungskinematischer Zeitwert, also eine Leistung, die auf muskulärer Ebene über eine definierte Zeit maximal erbracht werden kann. Die anaerobe Schwelle markiert dagegen einen Übergangspunkt auf respiratorischer Ebene, ab dem der eingeatmete Sauerstoff nicht mehr zuverlässig aufgenommen werden kann.
| Grösse | Ebene | Ermittlung | Aussage |
|---|---|---|---|
| FTP | muskulär, zeitbasiert | Feldtest, 20 oder 60 min | maximale Stundenleistung |
| Anaerobe Schwelle | respiratorisch, metabolisch | Spiroergometrie | Übergang der Energiebereitstellung |
| Laktatschwelle | Blutwert | Laktatstufentest | Laktat-Akkumulation |
Dennoch ist es selbst in wissenschaftlichen Kreisen üblich geworden, funktionelle Leistung, anaerobe Schwelle und Laktatschwellen in einen Topf zu werfen. Das birgt das Risiko, dass der Trainingsfokus nicht dem gewünschten Schwerpunkt entspricht.
Die Theorie basiert zudem auf Werten fast ausschliesslich männlicher, gut austrainierter Probanden und wurde an einer winzigen Referenzgruppe validiert. Werden dieselben Aussagen ohne Überprüfung im Breitensport getroffen, entspricht das Training höchstens durch Zufall dem gewünschten Fokus und fällt in den meisten Fällen viel zu intensiv aus.
Wie obseed das misst
obseed berechnet keine FTP aus Aufzeichnungen und leitet daraus keine physiologischen Schwellen ab. Traditionell wird in der Leistungsdiagnostik die anaerobe Schwelle verwendet, um Trainingsbereiche zu definieren; liegt diesen Daten eine metabolische Auswertung zugrunde, lassen sich zuverlässige Aussagen über die Funktionen unter Belastung treffen. Steht nur ein einzelner, im Feld ermittelter Wert zur Verfügung, ist nicht nachprüfbar, ob die anvisierten Reize tatsächlich ausgelöst werden.
Die FTP ist aber kein aus der Luft gegriffener Wert. Korrekt ermittelt und laufend aktualisiert lässt sich über den berechneten TSS eine relativ objektive Belastungseinschätzung treffen. In obseed hinterlegst du die FTP für verschiedene Sportarten in den Körperdaten unter «Leistungskenndaten»:
Diese funktionellen Werte werden anschliessend verwendet, um deine Trainingsbereiche zu berechnen und deine aufgezeichneten Sessions zu quantifizieren.
Beispiel
Eine Athletin hinterlegt eine FTP von 250 W und fährt eine Einheit von 90 Minuten mit einer normalisierten Leistung von 200 W.
IF = 200 W / 250 W = 0.80
TSS = 90 min × 0.80² / 60 × 100 = 96In der Diagnostik liegt ihre anaerobe Schwelle bei 232 W. Bezogen auf diesen Wert ergibt dieselbe Einheit einen IF von 0.86 und einen TSS von 111. Der Unterschied von 15 Punkten pro Einheit summiert sich über Wochen zu einer systematisch unterschätzten Belastung.
Quellen
- Allen, H. & Coggan, A.: «Training and Racing with a Power Meter».
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