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Umgekehrte Periodisierung

«Umgekehrte Periodisierung» dreht die klassische Phasenfolge um: Intensität und Geschwindigkeit werden zuerst trainiert, das Volumen folgt danach.

Definition

«Umgekehrte Periodisierung» (englisch reverse periodization) bezeichnet einen Trainingsaufbau, bei dem die Reihenfolge der klassischen Phasen vertauscht wird. Statt zuerst über Monate Grundlage aufzubauen und erst gegen Ende Intensität einzusetzen, beginnt der Aufbau mit Geschwindigkeit, Kraftausdauer und Stehvermögen; das Volumen wird anschliessend darauf aufgesetzt.

Bekannt gemacht hat den Ansatz Brett Sutton, langjähriger Trainer von Athletinnen wie Nicola Spirig und Daniela Ryf. Die Idee: Die früh erarbeiteten Attribute werden in die spätere Basisarbeit übernommen, sodass die langen Einheiten näher an der Wettkampfintensität stattfinden.

Klassische PeriodisierungUmgekehrte Periodisierung
VorbereitungVorbereitung
Basis 1–3 (Volumen, tiefe Intensität)Aufbau 1–2 (Intensität, Kraftausdauer)
Aufbau 1–2 (Intensität, Spezifik)Basis 2–3 (Volumen bei erhöhter Intensität)
RennphaseRennphase
ÜbergangÜbergang

Warum das zählt

Für Langdistanz-Athletinnen und -Athleten liegt die Wettkampfintensität im mittleren Bereich, deutlich unter der Schwelle, aber über lockerem Grundlagentempo. Die umgekehrte Periodisierung bringt diese Intensität früh in den Aufbau und lässt die spezifischen langen Einheiten am Ende stattfinden, wenn der Körper sie am besten verträgt und die Anpassung am nächsten am Rennen liegt.

Dieser Aufbau eignet sich ausschliesslich für sehr trainingserfahrene Personen. Intensität ohne eine bereits vorhandene aerobe Basis stellt eine enorme Anforderung an Sehnen, Stoffwechsel und das gesamte System; wer nicht über Jahre Grundlage angesammelt hat, riskiert Verletzung und Überlastung. Für Einsteiger und die meisten Altersklassenathleten bleibt die klassische Reihenfolge der sicherere Weg.

Wie obseed das misst

obseed unterstützt beide Phasenfolgen in der Planung. Für jeden Mesozyklus (Trainingszyklen) werden Fokus und geplanter TSS-Verlauf hinterlegt; die Intensitätsverteilung (LIT, MIT, HIT) wird pro Block geplant und im Nachhinein mit der tatsächlichen Verteilung verglichen.

Gerade bei der umgekehrten Periodisierung ist die Datengrundlage entscheidend. Weil früh intensiv trainiert wird, muss die Schwelle genau bekannt sein; eine um 5 Prozent zu hoch geschätzte FTP verschiebt jedes Intervall aus dem Schwellen- in den VO2max-Bereich. obseed empfiehlt deshalb, den Aufbau mit einer metabolischen Diagnostik zu beginnen und die Schwellen nach dem Intensitätsblock erneut zu messen, bevor das Volumen erhöht wird.

Beispiel

Ein erfahrener Triathlet mit acht Jahren Trainingsgeschichte plant 20 Wochen auf eine Langdistanz. Seine gemessene VT2 auf dem Rad liegt bei 285 W.

  • Wochen 1–2, Vorbereitung: 350 TSS/Woche, Technik und Kraft.
  • Wochen 3–8, Aufbau 1 und 2: 450–500 TSS/Woche mit zwei Schwelleneinheiten (z. B. 4 × 10 min bei 270–285 W) und einer VO2max-Einheit.
  • Wochen 9–16, Basis 2 und 3: 600–700 TSS/Woche, lange Ausfahrten von 4–5 h bei 200–215 W, also rund 70–75 Prozent der VT2 statt der sonst üblichen 60–65 Prozent.
  • Wochen 17–19, Rennphase: Volumen sinkt auf 400 TSS, Wettkampfsimulationen.
  • Woche 20: Tapering auf 200 TSS, Rennen.

Die Grundlagenphase findet damit bei einer Intensität statt, die ein Einsteiger nicht über 5 Stunden halten könnte. Genau deshalb ist dieser Aufbau nur mit entsprechender Vorgeschichte sinnvoll.

Kategorien

  • Trainingsphasen
  • Trainingsplanung