Gesamtökonomie
Gesamtökonomie ist die Energieeffizienz des Systems aus Körper und Equipment: der Sauerstoffbedarf, den ein Watt Leistung bei konstanter Belastung kostet.
Definition
«Gesamtökonomie» bezeichnet die Energieeffizienz des gesamten Systems aus Körper und allenfalls Equipment bei konstanter Belastung, ausgedrückt als Sauerstoffverbrauch pro erbrachter Leistung. Der Begriff wird vor allem im Radsport verwendet und beschreibt, wie viel Sauerstoff für ein Watt mechanische Leistung benötigt wird. Im Labor hängt sie von Sitzposition, Tritttechnik und biomechanischer Koordination ab; im Feld kommt die Aerodynamik hinzu.
Warum das zählt
Zwei Athleten mit identischer VO2max können auf der Strasse sehr unterschiedlich schnell sein. Wer weniger Sauerstoff pro Watt braucht, hält bei gleicher Stoffwechselbelastung eine höhere Leistung oder dieselbe Leistung länger durch. Die Ökonomie ist damit neben der maximalen Sauerstoffaufnahme und der Schwellenlage die dritte Säule der Ausdauerleistung.
Ihr Verlauf über die Belastungsstufen gibt zusätzlich Aufschluss über den Zustand des Systems. Steigt der Sauerstoffbedarf pro Watt bereits in tiefen Stufen an, deutet das auf koordinative Defizite, eine ungünstige Position oder Ermüdung hin.
| Grösse | Einheit | Rolle in der Berechnung |
|---|---|---|
| VO2 | mL/min | absolut aufgenommener Sauerstoff pro Stufe |
| Leistung | W | mechanische Leistung am Pedal |
| Gesamtökonomie | mL/min/W | VO2 geteilt durch Leistung |
| Bruttoeffizienz | % | mechanische Leistung geteilt durch Energieumsatz |
Ursprünglich wurden relative Werte verwendet, also VO2 in mL/min/kg geteilt durch Watt pro Kilogramm. Da sich das Körpergewicht dabei mathematisch aufhebt, findet man den Wert heute vor allem in absoluten Zahlen.
Gesamtökonomie [mL/min/W] = VO2 [mL/min] / Leistung [W]Wie obseed das misst
Die Gesamtökonomie lässt sich nur mit einer Spiroergometrie bestimmen, weil der Sauerstoffverbrauch direkt aus der Atemgasanalyse stammt. obseed übernimmt die Werte aus der metabolischen Diagnostik und legt sie zusammen mit den ventilatorischen Schwellen und der VO2max in den Leistungskenndaten ab.
Aus Wearable-Daten kann die Ökonomie nicht berechnet werden. Was Sportuhren als «Laufeffizienz» oder ähnliche Kennzahlen ausweisen, sind Schätzwerte aus Herzfrequenz und Pace und nicht mit dem Labormass vergleichbar. obseed bildet deshalb nur den gemessenen Wert ab und nutzt den Efficiency Factor als Feld-Näherung für die Verlaufskontrolle.
Die Gesamtökonomie ist ein wichtiges Werkzeug für die Definition individueller, physiologischer Trainingsbereiche. Ihr Verlauf ergibt in Kombination mit den Schwellen ein umfassendes metabolisches Bild der Leistungsfähigkeit.
Beispiel
Ein Athlet absolviert einen Stufentest auf dem Ergometer. Bei 200 W misst die Spiroergometrie eine Sauerstoffaufnahme von 2 800 mL/min, bei 300 W 4 050 mL/min.
200 W: 2 800 mL/min / 200 W = 14.0 mL/min/W
300 W: 4 050 mL/min / 300 W = 13.5 mL/min/WDer Sauerstoffbedarf pro Watt sinkt mit der Intensität leicht, was für eine stabile Tritttechnik spricht. Nach einer Anpassung der Sitzposition misst derselbe Athlet bei 300 W nur noch 3 900 mL/min, also 13.0 mL/min/W. Bei unveränderter VO2max von 4 500 mL/min entspricht das rechnerisch rund 13 W mehr an der Schwelle.
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